07.10.2010

Virtueller Beifahrer an Bord. Interview mit Eckhard Steinmeier, Leiter von BMW ConnectedDrive

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Dr. Eckart Steinmeier

Service made in Bayern: Digitale Assistenzsysteme sind aus der Autowelt längst nicht mehr wegzudenken.

In den James-Bond-Filmen galten sie als noch technische Spielereien, die oft genug das Leben von 007 retteten. Heute gehören elektronische Helfer zum festen On-Board-Service in vielen Fahrzeugen. Und wieder ist es kein Zufall, dass der britische Geheimagent zuletzt immer einen BMW fuhr. Denn die bayerischen Autobauer entwickeln seit fast 40 Jahren maßgeblich auch Fahrerassistenzsysteme: Sieht man einmal von reiner Sicherheitstechnologie wie ABS, EPS oder Distanzkontrolle ab, finden sich unter dem Titel „ConnectedDrive“ in allen neueren Modellen der Marke unterstützende Servicefunktionen und innovative Mobilitätsdienste.

ConnectedDrive ist eine Art virtueller Beifahrer, der den Informationsaustausch zwischen Fahrer, Fahrzeug und Außenwelt regelt. Das System integriert dabei auch beliebte mobile Endgeräte, darunter iPhone und iPod von Apple sowie das Blackberry-Smartphone.

  • Das Servicemodul „Assist“ ermöglicht eine telefonische Betreuung durch das BMW-Kundencenter. Daten zum Reiseziel etwa, wie Telefonnummern und Adressen von Hotels, können erfragt und direkt an das wageneigene Navigationssystem übermittelt werden (Send to Car). Im Notfall erhalten Rettungskräfte automatisch Hinweise zum Unfallort und detaillierte Schadensmeldungen.
  • Das Modul „Online“ steht für internetbasierte Dienste, die sich im Auto nutzen lassen. Neben den Mobile-Office-Funktionen E-Mail und Adressverwaltung stehen dem Fahrer Google Search, Google Maps und Google Street View zur Verfügung. Auch hier wandern die Ergebnisse auf Knopfdruck ins Telefon oder als Zieleingabe ins Navigationssystem.
  • Mit „TeleServices“ wird das Auto selbst zum Sender. Die Sensoren im Fahrzeuginneren überprüfen ständig Flüssigkeitsmengen und Verschleißteile. Wird beispielsweise ein Ölwechsel fällig, informiert das System automatisch die BMW-Werkstatt. Diese ruft den Fahrer an und vereinbart mit ihm einen Wartungstermin. Auch bei Diebstahl reagiert das Fahrzeug selbsttätig: Falls die Alarmanlage angeht oder das Auto ohne Zündung bewegt wird, bekommt das Kundencenter automatisch eine Mitteilung und kann die Polizei verständigen. Beim „Tracking“ verraten regelmäßig ausgesendete GPS-Daten den Standort des gestohlenen Wagens.

Herr Dr. Steinmeier, zur Freude am Fahren kommt jetzt auch die Freude am virtuellen Beifahrer. Wie stark beeinflusst Ihr Serviceangebot die Kaufentscheidung der Kunden?

Wir erleben hier einen Effekt, der typisch ist für kundenfreundliche Innovationen: Kunden, die unseren Service regelmäßig nutzen, wollen mit der Zeit nicht mehr auf ihn verzichten. Das zeigt sich beim Wiederverkauf, wenn speziell darauf geachtet wird, dass das digitale Ausstattungspaket dabei ist.

Das Fahrzeug wird selbst zum mobilen Endgerät. Bringen Sie sich damit nicht in eine überflüssige Konkurrenz mit den allgegenwärtigen Smartphones, gerade was Funktionen wie das Online-Surfen angeht?

Nein, wir bieten nur eine Ergänzung. Als Fahrer kann und darf man ein mobiles Endgerät ja nicht so nutzen wie gewohnt, da man sonst zu sehr abgelenkt wäre. Deshalb arbeiten wir daran, das Surf-Erlebnis immer autogerechter zu machen. Mit der heutigen Integration bieten wir als erstes Automobil-Unternehmen überhaupt einen Zugriff auf beliebige Internetseiten über den Fahrzeug-Bildschirm und die Fahrzeug-Bedienelemente. Die Freude am Fahren wird größer, weil auch das Surfen im Internet auf vier Rädern sicherer und komfortabler wird.

Wie wird der Wartungs-Informationsdienst von Ihren Kunden angenommen? Fühlen die sich in der freien Wahl der Werkstatt eingeschränkt, wenn sie vom BMW-Service telefonisch um einen Termin gebeten werden?

Unseren Info-Service empfinden gerade diejenigen als Entlastung, die oft zur Werkstatt müssen, weil sie viel fahren und zu wenig Zeit haben, um sich um die Termine zu kümmern. Es steht jedem frei, ob er unseren Service nutzt oder nicht.

Stichwort „autonomes Auto“: Gehört die Zukunft einem Assistenzsystem, das aus dem Fahrer nur noch einen Beifahrer macht, weil er nicht mehr zu lenken braucht und der Computer den Wagen steuert? Diese Technik setzt BMW ja bereits im Rennsport-Training ein („Track Trainer“).

Nicht generell, aber in bestimmten Situationen schon. Bei Stop and Go, im Stau oder beim Kolonnenfahren ist die teilweise Automatisierung der Fahraufgabe absolut sinnvoll. Für den Fahrer wird die Fahrt dadurch angenehmer, weil weniger anstrengend und ermüdend. Und vor allem: Der Computer macht das Fahren sicherer.

Text und Interview: Nikolas Kraemer

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